Tue Gutes und sprich darüber – Online Reputation als Vorsatz für 2012, Teil 1: Die Vorbereitung

0 Kommentare

Veröffentlicht am 24 Januar 2012 von Ulf Kossol in Competence | Operations

, ,

Mittlerweile dürfte das Durchhaltevermögen für eilig heraufbeschworene Vorsätze vom Silvesterabend 2011 bereits stark strapaziert sein und der Rückfall hin zu alten Lastern kurz bevorstehen. Also ein guter Zeitpunkt, sich etwas strukturiert den wirklich wichtigen Dingen im (Berufs-)leben zu widmen: Online Reputation.

Projekterfahrung, Leidenschaft und Nutzen sind Voraussetzung

Nur um „Mitzumachen“ und Twitter, Facebook und Co. zum Glühen zu bringen, um auf dem nächsten Event stolz mit seinem Klout-Score zu posen, ist sicherlich nicht der richtige Weg.

Im Projektalltag begegnet es uns jedoch häufig, dass man sich vor allem fachlich in zum Teil neue und interessante Themengebiete einarbeitet und mit der Zeit ein enormes Wissen dazu aufbaut. Wenn sich dann noch die gewisse Leidenschaft entzündet ist es Zeit, die Dinge positiv für sich und sein Unternehmen zu nutzen. Man könnte auch sagen, seine eigene Online Reputation zu optimieren.

Für Menschen, die schon länger im Social Web aktiv sind, bedarf es sicherlich keiner „Anleitung“ dazu, da dieser Personenkreis die Spielregeln und Mechanismen bereits so verinnerlicht hat und gewinnbringend für sich einsetzt. Hier ist maximal der Bedarf, sein Handeln von Zeit zu Zeit zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren.

Bei uns im Team gibt es seit längerem den Bedarf, eine Art Vorgehen zu erarbeiten, an dem sich Mitarbeiter orientieren können, wenn sie aktiv in ein oder mehrere Themen einsteigen wollen. Auch wenn vieles über das persönliche Gespräch geklärt und vermittelt wird, soll uns folgende Struktur zukünftig Hilfestellung geben. Und da wir schon über 2.0 reden, teilen wir das natürlich gerne mit unseren Lesern und freuen uns über Feedback und Ihre Best Practices.

Schritt 1: SEARCH BUZZWORDS

Zunächst rate ich dazu, eine ausgeprägte Stichwortsammlung anzulegen. Viele Stichworte und Begriffe sind einem schon sehr präsent, da man sie bereits häufig im Alltag verwendet. Interessant ist, Wortfamilien und Synonyme zu entdecken, die die Sammlung vervollständigen. Wie man am besten diese Begriffe identifiziert, haben andere schon prima erklärt.

Da der Schritt 1 eigentlich kontinuierlich durchgeführt werden sollte, empfehle ich, eine Art Stichwortmatrix (z.B. in Excel) zu erstellen, die folgende Elemente enthalten kann: Zunächst einmal die Auflistung der bekannten und neuen Stichwörter. Anschließend macht es Sinn, eine Gewichtung nach persönlicher und/oder webbasierter Relevanz durchzuführen. Einfachhalthalber bewerte ich meine Stichwörter auf einer Skala von 1 (relativ unwichtig) bis 5 (extrem wichtig). Unabdingbar ist es, diese Relevanz, sei sie nun persönlicher Natur oder fremdbestimmt, von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Fortgeschrittene können diese einfache Auflistung auch dadurch aufwerten, indem sie Wortwolken bilden und diese wiederum gewichten. Für den Anfang ist aber wie immer „weniger mehr“! Elementar ist es, sich die künftige Suche abnehmen zu lassen: Für Begriffe aus dem gesamten www eignen sich dazu Google Alerts, für Erwähnungen in social networks, twitter, Foren und Blogs empfehle ich das kostenlose www.socialmention.com. Das Monitoring Tool bietet die Möglichkeit, einmal angelegte Suchen als RSS-Feed zu abonnieren.

Schritt 2: FIND PEOPLE

Hinter Gesprächen stehen selbstverständlich Personen und Institutionen, die diese Konversationen führen und treiben. Auch in diesem Schritt ist es ratsam, seine Recherchen festzuhalten und kontinuierlich durchzuführen. Eine dazu geeignete Vernetzungsmatrix listet bekannte und neue Quellen (Personen, Blogs, Branchendienste, Magazine, etc.) auf, die wiederum nach subjektiver Bewertung gewichtet werden. Anschließend legt man fest, ob und wie man sich mit den Quellen vernetzen will. Das „wie“ kann vielschichtig sein, vom anonymen Folgen via Twitter bis zum persönlichen Erfahrungsaustausch auf einem Kongress ist die Bandbreite dort beliebig weit. Auch hier kann man das Ganze perfektionieren, indem man wichtige Interdependenzen zwischen den Quellen analysiert und zum Beispiel die Ergebnisse in einer Mindmap speichert. Ob einfach oder komplex, auf alle Fälle muss das eine Daueraufgabe sein.

Schritt 3: START LISTENING

Jetzt geht es (fast) los. Nachdem wir uns nun mit Personen und Themen vernetzt haben, müssen wir zuhören und ein Gespür dafür entwickeln, wo die Meinungsführer und wo die „Kopierer“ stecken. Dazu ist es notwendig, alle Informationen aus Schritt 1 und 2 an einem Ort zu aggregieren und weiter zu verarbeiten. Ich persönlich kann mir eine Arbeit ohne Google Reader für diesen Zweck nicht mehr vorstellen. Einfach gesagt ist es ein Reader für RSS-Feeds, für mich ist es mein Information Hub: sowohl meine Alerts aus Schritt 1 als auch meine Abonnements sammle ich hier. Man könnte sogar Twitter und Facebook integrieren, was ich mir aber spare. Durch die Möglichkeit, Schlagworte pro Eintrag zu vergeben, kategorisiere ich kontinuierlich meine gelesenen Beiträge und baue mir damit einen ganz persönlichen Wissensspeicher auf. Jetzt ist natürlich auch die Zeit, sich passiv mit den identifizierten Quellen aus dem Schritt 2 zu vernetzen.

Schritt 4: SHAPE YOUR FOCUS

Ein wesentlicher Schritt für ein erfolgreiches Online Reputation Management ist es, seine ganz persönliche Position zu finden, zu definieren und zu verteidigen. Man muss die Lücke identifizieren, die im Spannungsverhältnis zwischen eigener Leidenschaft und Wertschöpfungspotential steht. Dazu ist es wichtig, Geduld zu zeigen und den ersten drei Schritten genügend Zeit zu geben. Sie werden feststellen, dass man von Woche zu Woche lernt und sich Dinge herauskristallisieren, die oben genannte Bedingung erfüllen werden. Die beschriebene Hilfsmittel (Stichwortmatrix, Vernetzungsmatrix, Information Hub) geben ihnen dazu Sicherheit und einen roten Faden. Und am Ende hören Sie auf Ihren Bauch, der ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit den entscheidenden Tipp geben wird, welches Spezialgebiet besetzt werden sollte. Und jetzt ist Selbstbewusstsein gefragt: Formulieren Sie Ihren Standpunkt, welche Antworten haben Sie auf die Fragen in Ihrem Gebiet und welche Fragen haben Sie an die selbsternannten „Evangelisten“ da draußen. Munitionieren Sie sich auf, sie werden es brauchen. Das klingt jetzt vielleicht etwas zu martialisch, jedoch sind das wichtige Hausaufgaben vor dem richtigen Start.

Im nächsten Teil stelle ich Ihnen die letzten beiden Schritte vor, START TALKING und MAKE IT EASY, die dann nach Ihrem „persönlichen Go Live“ angesiedelt sind und Tipps für Ihr operatives Online Reputation Management geben.

Bildquelle: flickr

Noch keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar